Freitag, 31. Oktober 2025

Ausflug ins Latium zur Civita di Bagnoregio – die sterbende Schönheit

Heute führte uns der Weg ins Latium – nach Civita diBagnoregio, der sogenannten „sterbenden Stadt“. Schon von Weitem wirkt sie wie aus einer anderen Zeit, schwebend auf einem bröckelnden Tuffsteinfelsen, nur über eine lange, schmale Brücke mit dem Leben da draußen verbunden.
 
 
  
 
Wir überqueren die Brücke zu Fuß – die Sonne hat sich endlich wieder durchgesetzt, und über allem liegt ein Hauch von Nostalgie und Romantik. Kaum mehr Einwohner leben hier, und doch ist das kleine Städtchen quicklebendig: In den Gassen duftet es nach frisch gebackenem Brot, Katzen dösen in der Sonne, ein paar Reisende schlendern andächtig durch die Vergangenheit.
Die chinesischen Reisegruppen fotografieren alles. Sofort wird jedes Bild gepostet. Bitte nicht – es muss nicht jeder wissen, dass es diese Stadt noch gibt.
 
 
 
 
 
 
 
 
Wir essen hervorragend – einfache, ehrliche Küche auf einer Terrasse ohne Aussicht. Besser gutes Essen als gute Aussicht. Ein Ort, der das Herz still macht und die Gedanken weit werden lässt.
 
 
 
 
 
 

Auf der Heimfahrt zieht sich der Himmel langsam wieder zu. In Orvieto erwartet uns leichter Regen – nicht so heftig wie gestern, eher ein leises Nachspiel eines wunderbaren Tages. Mit einem Regenbogen als Schlussakkord. Ein Tag zwischen Verfall und Schönheit, zwischen Sonne und Regen, zwischen Abschied und Staunen.

 

Donnerstag, 30. Oktober 2025

Ausflug nach Todi - Gedenktag 60. Hochzeitstag Helmut&&Traude

Heute führte uns der Weg von Orvieto nach Todi – eine Fahrt entlang eines Stausees Largo di Corbara, eingebettet in die weiche Hügellandschaft Umbriens. Todi selbst empfängt uns ruhig, fast verschlafen. Kaum Touristen, ein paar Einheimische, die sich in den Gassen unterhalten.
Wir spazieren weiter zur Franziskanerkirche San Fortunato, benannt nach dem Schutzheiligen der Stadt. Ihre gotische Fassade blieb unvollendet, doch im Inneren herrscht jene feierliche Schlichtheit, die berührt. Ein weiter Raum aus Stein, ein Hauch von Weihrauch, gedämpftes Licht – und irgendwo in einer Seitenkapelle das Grab des Dichters Jacopone da Todi, dessen Lieder von göttlicher Liebe und menschlicher Demut erzählen.





Die Piazza del Popolo – das Herz der Stadt – überrascht mich: groß, weit, und umrahmt von drei stolzen Palästen, die von Tudis Bedeutung im Mittelalter erzählen.


Der Palazzo del Popolo, einer der ältesten Kommunalpaläste Italiens, wirkt mit seinen Zinnen und Bögen wie ein steinerner Wächter der Geschichte. Daneben der Palazzo del Capitano, etwas jünger, eleganter, mit hohen Fenstern und einem Hauch Renaissance. Und schließlich der Palazzo dei Priori, mit seinem markanten Turm. Zusammen bilden sie ein eindrucksvolles Ensemble – Macht, Bürgersinn und Stolz in Stein gemeißelt.



Die Kathedrale der Jungfrau Maria Annunziata thront am oberen Ende des Piazza del Popolo und beherrscht das Stadtbild von Todi mit stiller Würde. Ihre romanisch-gotische Fassade wirkt schlicht, doch die große Rosette zieht sofort den Blick an – wie ein steinernes Auge, das über die Stadt wacht. Innen empfängt einen ein weiter, heller Raum mit einem beeindruckenden Holz-Kassettengewölbe. Fresken, Altäre und stille Seitenkapellen erzählen von Jahrhunderten gelebten Glaubens. Ein Ort, der gleichermaßen erdet und erhebt – wie ein stilles Gebet aus Stein.





Wir schlendern durch kleine Gassen, entdecken winzige Boutiquen und Osterien, in denen die Zeit stehen geblieben scheint. Mittagessen in einer Trattoria, in der die Pasta nach Handarbeit schmeckt.
Auf der Heimfahrt öffnet der Himmel seine Schleusen – Regen prasselt auf die Windschutzscheibe, das Wasser tanzt über die Straße. Ein Halt im Coop vor Orvieto für das Abendessen, bevor wir uns in unsere etruskische Höhle zurückziehen.
 
Heute wäre der 60. Hochzeitstag meiner Eltern:
Die Feier findet im Himmel statt – dort, wo Licht und Erinnerung ineinanderfließen.
Ich stelle mir vor, wie sie tanzen, leichtfüßig wie früher, vielleicht zu einem alten Lied, das nur sie kennen.
Ich wünsche euch alles Gute, ihr beiden.
Und trinke ein Glas Wein auf euer Wohl auf die Liebe, die bleibt, auch wenn die Stimmen längst verstummt sind.
 

Mittwoch, 29. Oktober 2025

Orvieto mit Annamaria - Spaziergang durch die Stadt und ein Besuch im Dom

Ein Spaziergang durch Orvieto mit Annamaria – unserer Stadtführerin, die Geschichte atmet und erzählt, als wäre sie selbst aus einem der alten Steine gemeißelt. Wir schlendern durch die engen Gassen, atmen das Flair des Mittelalters und die stillen Erinnerungen an die Etrusker, die hier ihre Spuren hinterlassen haben.

 

 

Ein Zwischenstopp im legendären Café Montanucci: Das Interieur erinnert an ein altes Spielwarengeschäft – Holz, charmant, ein bisschen nostalgisch. Kein Wunder, stammt es ursprünglich von einem Spielwarenhersteller. Das Café ist über die Grenzen Orvietos hinaus bekannt und beliebt. Robert und ich waren inzwischen schon zweimal dort – der Cappuccino schmeckt beim zweiten Mal sogar noch besser.
Weiter geht’s zur Piazza del Popolo mit ihrem Palazzo, dem stillen Wächter vieler Jahrhunderte. Schließlich erreichen wir das Herz der Stadt: den Dom von Orvieto.
Romanisch in seiner Grundform, aber von überwältigender Schönheit – schlicht und doch eindrucksvoll. Die Fresken im Inneren sind von einer Farbenpracht und Tiefe, die den Atem rauben. Hier, so erzählt Annamaria, kamen die Päpste gerne her, um Zuflucht und Ruhe von Rom zu finden. Und hier wird auch eine bedeutende Reliquie aufbewahrt: das blutige Tuch von Bolsena, ein Zeichen des Wunders, als aus einer Hostie Blut getropft sein soll. Das Tuch ließ Papst Urban IV nach Orvieto bringen. Das Blutwunder von Bolsena war Anlass für die Einführung des Fronleichnamsfestes 1264. Papst Nikolaus III veranlasst den Bau des Domes in Orvierto.








Pozzo di San Patrizio – mein persönliches Highlight:
Nach unserer Verabschiedung von Annamaria führt mich mein Weg weiter – zu meinem ganz persönlichen Highlight, dem eigentlichen Ziel meiner Umbrien-Reise: dem Pozzo di San Patrizio.


Zum ersten Mal gehört habe ich von ihm 2018 – bei einer Führung im Kunsthistorischen Museum in Wien. Frau Mag.a Spinka aus der Abteilung für Numismatik erzählte damals von Benvenuto Cellini und erwähnte diesen Brunnen in Orvieto als Meisterwerk technischer und künstlerischem Einfallsreichtum. Seitdem stand er auf meiner inneren Wunschliste – heute wird der Punkt endlich abgehakt.
Von außen wirkt der Pozzo fast unscheinbar, doch wer hinabsteigt, betritt eine andere Welt. Zwei spiralförmige Treppen winden sich übereinander hinab – eine für den Abstieg, eine für den Aufstieg –, so konstruiert, dass Mensch und Maultier sich niemals begegneten. Der Brunnen wurde im 16. Jahrhundert unter Papst Clemens VII. gebaut, als Zuflucht für den Fall einer Belagerung: Wasser als Lebensversicherung.
Mit jeder Stufe nach unten verändert sich das Licht, wird kühler, geheimnisvoller. Unten, 53 Meter tief, spiegelt sich das Wasser wie ein Auge in die Dunkelheit. Ich bleibe stehen, sehe nach oben – der Blick reicht bis zum Himmel. 497 Stufen: 248 hinunter, 249 hinauf.
Ein Bauwerk aus Stein, aber auch eine Metapher – für den Weg nach innen, für Tiefe, für Durchhaltevermögen.
Ich denke an 2018, an diesen Vortrag in Wien, an das Staunen damals – und daran, dass Orte manchmal erst in der Erinnerung wachsen, bis man ihnen begegnet.
Heute war es so weit. Und es war jede Stufe wert.





Dienstag, 28. Oktober 2025

Orvieto: Pozzo della Cava und der Untergrund

Sonne, Sonne, Sonne – und wir gehen unter die Erde

Endlich Sonne und Wärme! Nach Tagen mit Jacke und Schal zeigt sich Italien von seiner freundlichen Seite. Und was machen wir? Ganz logisch – wir gehen unter die Erde. Während andere die Sonne genießen, tauchen wir ab in Orvietos Unterwelt.


Im Pozzo della Cava geht’s hinunter in ein Labyrinth aus Zeiten und Steinen: etruskische Brunnen, mittelalterliche Werkstätten, Zisternen – Schicht um Schicht Geschichte, wie eine archäologische Lasagne.




Zurück an der Oberfläche gönnen wir uns einen kurzen Zwischenstopp in der Chiesa San GiovanniSie stammt aus dem Jahr 1004 – ein stiller, beinahe vergessener Ort. Schlicht, ohne Prunk, und doch mit Seele. Fragmente von Fresken erzählen Geschichten aus der Heiligen Schrift, als wollten sie sich noch einmal in Erinnerung rufen. Kaum ein Tourist bleibt hier stehen – die meisten zieht es weiter zum Dom. Doch gerade diese Abgeschiedenheit macht ihren Zauber aus: kühler Stein, ein Hauch von Weihrauch, und ein Frieden, der zwischen den Mauern zu atmen scheint. Ein wohltuender Kontrast zu den überbordenden Wundern draußen.
 
  
 
  

Mittagessen in einem charmanten Lokal in den unterirdischen Räumen.
 
 
 
 

Dann weiter in den Orvieto Underground, wo es kühl, geheimnisvoll und erstaunlich belebt zugeht. Hier wurde einst Öl gelagert, Wein gekeltert und Tauben gezüchtet – die perfekte Kombination für lange Winterabende.
 
  
 


Wieder ans Tageslicht getreten, werden wir geblendet – vom Dom! Was für eine Fassade: Goldmosaike, Heiligenszenen, unzählige Figuren, alles leuchtet und glitzert in der Sonne. Jede Ecke erzählt eine Geschichte, und wir entdecken ständig Neues. Der Dom ist ein Gesamtkunstwerk aus Stein, Farbe und Fantasie – ein bisschen Märchen, ein bisschen Mahnmal.
 
 
 
 
 
Und als ob das noch nicht genug Tiefe (im wahrsten Sinn) wäre – unsere Wohnung hat auch eine Höhle! Im etruskischen Keller warten ein Hammam und ein Whirlpool – unser ganz persönliches Spa unter der Erde. Das Küchenfenster ist zwar verklebt, das Schlafzimmerfenster bietet nur einen Spalt Welt, aber wer braucht Aussicht, wenn man in der Geschichte wohnt?
Zwei Städte, zwei Schwerpunkte: Assisi mit Treppen, Pilgern und Himmelsnähe – Orvieto mit Höhlen, Brunnen und Geschichten aus der Tiefe. Wir haben viel gesehen, viel entdeckt – und auch gelernt: Sonne scheint überall, man muss nur wissen, ob man drüber oder drunter sein will.
 
Abschluss des Tages: Hammam und Whirlpool in der eigenen etruskischen Höhle.
Dieser Luxus bekommt eine neue Bedeutung mit dem heute erfahrenen geschichtlichen Hintergrund dieser besonderen Unterwelt.

 
 
 
 
 
 

Abschied - Abreise - Abflug

Robert und ich machen uns auf den Weg – der Abschied steht an. Schön war es. Beim Durchsehen der Fotos merke ich erst, wie lang mein Aufen...