Montag, 3. November 2025

Abschied - Abreise - Abflug

Robert und ich machen uns auf den Weg – der Abschied steht an.
Schön war es.
Beim Durchsehen der Fotos merke ich erst, wie lang mein Aufenthalt in Umbrien war.
 
 
Assisi scheint Lichtjahre entfernt, als läge es nicht nur in der Landschaft, sondern auch in einer anderen Zeit.
Wie rasch die Tage verfliegen.
 
 
 
Meine Mutter ist zweieinhalb Monate tot.
Und sie fehlt mir noch immer – jeden einzelnen Tag.
Kein Heiliger, weder Franziskus noch Chiara, nicht einmal Carlo Acutis, kann mir diese Lücke füllen.
Vielleicht ist Trauer einfach das, was bleibt, wenn Liebe keinen Ort mehr findet – außer in der Erinnerung. 
 

Sonntag, 2. November 2025

Orvieto und Bolsenasee

Orvieto – die letzten Höhenmeter und Tiefen des Urlaubs
Unsere letzte Aktivität mit der Carta Unica Orvieto: der Torre del Moro.
170 Stufen später – ein bisschen Schnaufen, aber voller Stolz – werden wir mit einer großartigen Aussicht belohnt. Die Sonne blinzelt für ein paar höfliche Minuten durch die Wolken, als wolle sie sagen: „Na gut, zum Abschied bekommt ihr noch ein bisschen Postkartenromantik.“


 

Dann holen wir das Auto und fahren zur Necropoli Etrusca del Crocifisso del Tufo.
Die Ausgrabung selbst: geschlossen.
Immerhin das Mini-Museum daneben hat geöffnet – ein kleiner Trost, zwei Vitrinen für die Welt von vor über 2.500 Jahren. Lach.

 

Weiter zum Bolsenasee, dem größten Vulkansee Europas.
Ich stelle mir vor, wie hier im Sommer alles glitzert und das Leben über die Ufer schwappt. Heute aber: Wolken. Nieselregen. Stimmung wie am Neusiedlersee im Spätherbst.
Die Villen wirken wie aus den 60er- oder 70er-Jahren, nur wenige mit Anmut vergangener Tage. Die Hotels scheinen verlassen, vergessen.
 

Und die Segelboote an der Marina – abgestellt, herrenlos, traurig.
Schön? Naja.
Interessant? Auf jeden Fall.
Aber romantisch? Nur mit viel Fantasie.

Zurück in Orvieto heißt es: Koffer packen. Ja, die Zeit ist buchstäblich davon­geflogen.
Bevor wir uns verabschieden, gönne ich mir noch einen letzten luxuriösen Moment:
Whirlpool-Abend in den Untiefen unseres etruskischen Gewölbes.
Ein Dampfbad zwischen Steinen, die mehr gesehen haben als jedes Geschichtsbuch – dieser Luxus hat hier eine unerwartete Tiefe.
Orvieto – du warst faszinierend, fordernd, überraschend.
Als Stadt hätte ich dich nicht eingereiht, eher als Landei. Bist du gar nicht.
Stolze Stadt, mit schönen Geschäften, vielen Lokalen, italienischer Gemütlichkeit – vom Tourismus (zumindest im Oktober) vollkommen verschont geblieben.
Es wird kaum Englisch gesprochen; niemand rechnet hier mit ausländischen Besuchern.
Ein würdiger Abschied: hoch hinaus, tief hinab – einmal alles.

Samstag, 1. November 2025

Allerheiligen im Nebel von Orvieto - Museen und der Dom

Der Tag beginnt still – sehr still. Orvieto liegt im Nebel, eingehüllt wie in Watte. Keine Menschenseele zu sehen, kaum ein Laut, nur das gedämpfte Klappern meiner Schritte auf dem Pflaster. Allerheiligen eben – die Stadt scheint den Atem anzuhalten.
 
 

Ich spaziere durch die leeren Gassen, die plötzlich noch mittelalterlicher wirken als sonst, und finde mich bald im Museo Etrusco C.Faina wieder. Alte Gefäße, Grabbeigaben, filigrane Schmuckstücke – alles Zeugen jener, die hier schon lange vor den Römern lebten. Es ist faszinierend, wie gegenwärtig die Vergangenheit sein kann, wenn draußen der Nebel hängt.
Mittagessen auf der Sonnenterrasse in der Tipica Trattoria Etrusca – die Sonne hat sich durchgesetzt. 
 
    
 
 

Die Minestrone war mit Geduld und Stolz zubereitet, der gegrillte Käse mit Gemüse ein Gedicht. Robert hat sich ein Steak mit Erdäpfeln schmecken lassen.
Am Nachmittag tauche ich ein in Kunst und Geschichte: das Museo Emilio Greco mit seinen eleganten Bronzeskulpturen, das Museo Archeologico Nazionale – winzig, aber fein. Schließlich wieder der Dom, der mich jedes Mal neu beeindruckt.
 
 
 
 
 
 

 
Heute fällt mir etwas auf, das ich letztens übersehen hatte: Die berühmten weiß-schwarzen Streifen der Fassade setzen sich im Inneren fort – aber nur bis etwa 1,60 Meter Höhe sind sie echt aus Stein. Darüber sind sie bloß aufgemalt. Eigentlich war geplant, die Wände weiß zu lassen und mit Fresken zu schmücken. Es kam nie ganz dazu.
 
 
 
 
 
 
  
 
 
 
 
 Marias Verkündigung: Die Statue war nicht sofort akzeptiert, da die Mutter Gottes kein ängstliches Gesicht vor dem Engel zeigen darf. 
    
   
Doch in der Cappella di San Brizio wurde dieser Plan zur Vollendung geführt. Luca Signorelli hat hier zwischen 1499 und 1504 ein gewaltiges Freskenprogramm geschaffen – Szenen des Jüngsten Gerichts, der Auferstehung und der Verdammnis. Körper, die sich winden, Gesichter zwischen Hoffnung und Angst, ein Panorama der Seele in Bewegung. Es ist überwältigend – theatralisch, dramatisch, lebendig. Kaum zu glauben, dass diese Malerei über fünfhundert Jahre alt ist. 
 
 
       
 
Vielleicht ist das gerade das Schöne an diesem Dom: die Mischung aus Plan und Zufall, aus Idee und Improvisation. 

 
Ein Tag zwischen Licht und Schatten – und beides hat gepasst.
 
 

Abschied - Abreise - Abflug

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