Der Tag beginnt still – sehr still. Orvieto liegt im Nebel,
eingehüllt wie in Watte. Keine Menschenseele zu sehen, kaum ein Laut, nur das
gedämpfte Klappern meiner Schritte auf dem Pflaster. Allerheiligen eben – die
Stadt scheint den Atem anzuhalten.
Ich spaziere durch die leeren Gassen, die plötzlich noch
mittelalterlicher wirken als sonst, und finde mich bald im Museo Etrusco C.Faina wieder. Alte Gefäße, Grabbeigaben, filigrane Schmuckstücke – alles Zeugen
jener, die hier schon lange vor den Römern lebten. Es ist faszinierend, wie
gegenwärtig die Vergangenheit sein kann, wenn draußen der Nebel hängt.
Mittagessen auf der Sonnenterrasse in der Tipica Trattoria Etrusca – die Sonne hat sich durchgesetzt.
Mittagessen auf der Sonnenterrasse in der Tipica Trattoria Etrusca – die Sonne hat sich durchgesetzt.
Die Minestrone war mit Geduld und
Stolz zubereitet, der gegrillte Käse mit Gemüse ein Gedicht. Robert hat sich
ein Steak mit Erdäpfeln schmecken lassen.
Am Nachmittag tauche ich ein in Kunst und Geschichte: das Museo Emilio Greco mit seinen eleganten Bronzeskulpturen, das Museo Archeologico Nazionale – winzig, aber fein. Schließlich wieder der Dom, der mich jedes Mal neu beeindruckt.
Am Nachmittag tauche ich ein in Kunst und Geschichte: das Museo Emilio Greco mit seinen eleganten Bronzeskulpturen, das Museo Archeologico Nazionale – winzig, aber fein. Schließlich wieder der Dom, der mich jedes Mal neu beeindruckt.
Heute fällt mir etwas auf, das ich letztens übersehen hatte:
Die berühmten weiß-schwarzen Streifen der Fassade setzen sich im Inneren fort –
aber nur bis etwa 1,60 Meter Höhe sind sie echt aus Stein. Darüber sind sie
bloß aufgemalt. Eigentlich war geplant, die Wände weiß zu lassen und mit
Fresken zu schmücken. Es kam nie ganz dazu.
Marias Verkündigung: Die Statue war nicht sofort akzeptiert, da die Mutter Gottes kein ängstliches Gesicht vor dem Engel zeigen darf.
Doch in der Cappella di San Brizio wurde dieser Plan zur
Vollendung geführt. Luca Signorelli hat hier zwischen 1499 und 1504 ein
gewaltiges Freskenprogramm geschaffen – Szenen des Jüngsten Gerichts, der
Auferstehung und der Verdammnis. Körper, die sich winden, Gesichter zwischen
Hoffnung und Angst, ein Panorama der Seele in Bewegung. Es ist überwältigend –
theatralisch, dramatisch, lebendig. Kaum zu glauben, dass diese Malerei über
fünfhundert Jahre alt ist.
Vielleicht ist das gerade das Schöne an diesem Dom: die
Mischung aus Plan und Zufall, aus Idee und Improvisation.
Ein Tag zwischen Licht und Schatten – und beides hat gepasst.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen